Republik des himmlischen Friedens
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China seit 2051: eine demokratische Republik aus halbautarken Arkologie-Bundesstaaten, entstanden aus Krieg, Tsunami und Militärregierung.
Untergang der Volksrepublik (2026–2038)
Im Laufe des Jahres 2027 steigern sich die Volksrepublik China (VRC) und die USA in einen immer schlimmeren Handelskrieg hinein, der in der Stationierung von gleich fünf US-Flugzeugträgern im Chinesischen Meer und der Entsendung von 50 000 Soldaten nach Taiwan im Frühling 2028 gipfelt. Präsident Vance beantwortet damit die direkten Drohungen der Regierung der VRC, Taiwan zu besetzen, jeglichen Handel mit den USA auszusetzen und auch alle Handelspartner der VRC dazu zu zwingen. Im Sommer verschärft sich der Streit weiter: China stellt den Export seltener Erden an die USA, Taiwan, die EU und Japan komplett ein und droht weiter mit der Invasion Taiwans. Im August führt die Flotte der VRC ein großangelegtes Manöver mit zwei Flugzeugträgern und mehreren Dutzend weiteren Schiffen südlich von Taiwan durch. Mit ausdrücklicher Erlaubnis der Regierung Taiwans verlegen die USA drei Flugzeugträger samt Begleitgeschwader in die Hoheitsgewässer südlich der Insel.
Der Drei-Tage-Krieg (3.–6.9.2028)
Der Verlauf steht im Ereignis Drei-Tage-Krieg. Am Ende putscht das Militär, und General Wang Zongzhi erklärt im Volkskongress die Kapitulation Chinas und sich selbst zum neuen Staatspräsidenten.
Folgen des Krieges
Das Militär hatte geputscht, Xi Jinping exekutiert und einen Großteil des Xi-treuen Staatsapparats abgeschafft. Wang schloss am 7.9.2028 einen Waffenstillstand mit den USA und Taiwan unter der Bedingung, dass die Volksrepublik Taiwan als souveräne Nation anerkennt und den Export an alle boykottierten Partner wieder aufnimmt. China stimmte diesen Punkten zu, verweigerte aber jede weitere Reparation. Den USA blieb nichts anderes übrig, als zuzustimmen, da ihre Materialverluste zu groß waren, um langfristig überhaupt noch im Pazifik zu operieren. Innerhalb von drei Tagen hatte China einen Großteil seiner Flotte und die USA über ein Drittel ihrer Flotte eingebüßt. So wie die Marinebomber im Zweiten Weltkrieg das Ende der dominanten Großkampfschiffe eingeläutet hatten, beendeten die gegenseitigen Nuklearschläge nun generell die Zeit der Seekriegsführung: Zu groß waren die Kosten, ein Schiff von der Größe eines Flugzeugträgers zu unterhalten, bei derart gesteigerter Verwundbarkeit. Auch die Luftwaffe der USA hatte gewaltig gelitten, nahezu 70 % aller Abfangjäger waren zerstört. China hatte insgesamt 2 Millionen Soldaten im Einsatz und musste durch die nukleare Vernichtung der Truppentransporter gewaltige Verluste hinnehmen – über 80 % der eingesetzten Truppen kehrten nicht zurück. An Bord der vernichteten US-Schiffe starben nahezu 100 000 Mann. Taiwan, das eigentliche Opfer der Invasion, verzeichnete mit gerade einmal 500 getöteten Piloten und rund 1 000 zivilen Opfern – vor allem durch die Druckwelle der abgefangenen Atombomben – die wenigsten Opfer. Gemessen an der Zerstörungskraft der eingesetzten Bomben blieb auch der Schaden an der Infrastruktur der Insel gering.
Neustrukturierung
Wang war die unter Xi wieder erstarkte Korruption zuwider, und er gründete ein spezielles Kommissariat, das gezielt auf allen Ebenen des Staates gegen sie vorgehen sollte. Das Projekt Seidenstraße wurde mit Nachdruck fortgeführt, aber den Partnerländern wurden bessere Konditionen und mehr eigene Wachstumsmöglichkeiten geboten. Bald entwickelten sich die chinesischen Niederlassungen, insbesondere in Afrika, zu wirtschaftlichen Wachstumsmotoren ihrer Regionen, aus denen ein steter Strom an Rohstoffen und Zwischenprodukten nach China verschifft und umgekehrt eine wachsende Zahl an Konsumgütern zurückgeschickt wurde. Bei all dem neuen Wachstum verstärkte China seine Umweltschutzprogramme und setzte auf grüne Energie: Die Kohlekraftwerke des Landes wurden systematisch durch Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke ersetzt. Der Staat unternahm große Anstrengungen, den beginnenden Bevölkerungsrückgang zu stoppen, was dazu führte, dass auf Frauen verstärkt Druck ausgeübt, umgekehrt aber auch Mädchen unter besonderen Schutz gestellt wurden. Der Staat hielt die Generalüberwachung aufrecht und baute das Sozialscore-System weiter aus: Vergünstigungen für die Angepassten und Fleißigen, Repressionen für alle Abweichler.
Mitte der 30er Jahre hatte China die einsetzende Wirtschaftskrise abgewehrt und befand sich erneut im Aufschwung. Der Preis dafür war eine enorme Staatsverschuldung, von der insbesondere Indien, die USA, die EU und die arabischen Staaten als Chinas größte Geldgeber profitierten. Gerade den USA gelang es so, die eigene Staatsverschuldung zu halbieren, nachdem sie in der zweiten Trump-Regierung eskaliert war und beinahe das Ende der Vance-Regierung eingeleitet hätte. Die neue wirtschaftliche Stärke ermöglichte es China, die Schulden trotz ihrer Höhe unter Kontrolle zu halten. Sie boten aber besonders der EU einen Hebel, um eine bessere Einhaltung der Menschenrechte und fairere Bedingungen für ihre Unternehmen in China durchzusetzen. Ab 2035 waren Europa und die USA zum Zentrum einer neuen Generation von Megakonzernen geworden, die das Kartellrecht immer weiter aushöhlten und die Regierungen immer mehr zu ihren politischen Durchsetzungsgehilfen umbauten. Auch in China und seinen Nachbarländern waren alte Konzerne aufgestiegen oder hatten sich neue geformt. In Südkorea gab es praktisch keinen Unterschied mehr zwischen Samsung und dem Staat, sodass 2035 die Wahlen beendet und das Parlament abgeschafft wurden; von da an war der Vorstand von Samsung zugleich Präsident Südkoreas. Ähnliches geschah in Japan, nur teilten sich dort die großen Fünf die Macht. In China aber behielt der Staat seine Konzerne unter Kontrolle. Das Beben von 2038 beendete diese Ära: Die amerikanischen und asiatischen Megakonzerne verloren mit ihren Küsten ihre Macht – übrig blieben nur die europäischen.
Das große San-Andreas-Beben und der panpazifische Tsunami (13.6.2038)
Am 13.6.2038 ereignete sich das San-Andreas-Beben, aus dem der große Pazifik-Tsunami resultierte, der China und den ganzen Pazifikraum nachhaltig umgestalten sollte.
Die Welle trifft. Die asiatische Küste hatte knapp einen Tag Zeit, aber die auf 100 Meter Höhe geschätzte Welle würde viele Staaten komplett überspülen und auch weit ins chinesische Festland vordringen. Die Regierung verhängte eine vollständige Informationssperre und floh ins Hochland, ordnete aber wenigstens noch eine Evakuierung der Küstenregionen an – eine Maßnahme, die über 60 % der Bevölkerung betraf. Binnen einer Stunde war durchgesickert, was auf das Land zukam, und mit dem Fall der Informationssperre brach jegliche Ordnung zusammen. Die Welle fraß sich tief in die bevölkerungsreichsten Bereiche des Landes. An der Küste wurden alle betroffenen Städte vollständig ausgelöscht. Nur wenige schafften es in sichere Bereiche, aber Tausenden gelang es in weiter von der Küste entfernten Städten, sich in höheren Etagen in Sicherheit zu bringen. Doch auch dort erwiesen sich etliche Hochhäuser als Todesfalle, als das Wasser sie umwarf. Ein Großteil der Agrarfläche wurde überschwemmt und zerstört, und auch als die Welle sich zurückzog, blieb das Wasser in vielen flachen, vom Meer topographisch abgeschnittenen Bereichen stehen.
Das Wasser bleibt. Während das Wasser in den Küstenregionen in den Wochen nach der Katastrophe wieder ins Meer abfloss, blieb es im Hinterland stehen. Zu viel Wasser war weit ins Landesinnere gedrückt worden und floss nur langsam über die Flüsse ab. Ökologen prognostizierten, dass die Flächen durch die Meersalzbelastung auf Jahrzehnte komplett unbrauchbar sein würden. China hatte seine wichtigsten Agrarregionen vollständig verloren. Durch die Welle selbst und die große Hungersnot von 2039 starben allein in China 800 Millionen Menschen.
Wiederaufbau (2040–2050)
Unter den wirtschaftlichen Folgen kollabierten die großen chinesischen Konzerne vollständig. Die Regierung verschärfte die ohnehin hohe Kontrolle über die Bevölkerung noch weiter und verstaatlichte sämtliche Konzerne. Über die Seidenstraße wurde immenser Druck auf die Partnerländer ausgeübt, was 2041 zur Bildung einer Anti-China-Koalition führte. Im Laufe des Jahres 2042 verlor die Nation sämtlichen Einfluss bis zurück zum Hindukusch.
Trotz aller Rückschläge gelang China im Frühjahr 2042 aber auch ein gewaltiger Durchbruch: Der weltweit erste Fusionsreaktor ging ans Netz und versorgte eine in drei Jahren unter gewaltigen Anstrengungen hochgezogene, monumentale Agrararkologie. Dieser gewaltige Bau, in einen Berg hineingetrieben und bis zu 300 m hoch, bildete das Fundament für das bis dahin größte jemals von Menschen gebaute Gebilde. Die gewaltigen Hydroponikanlagen sollten genug Nahrung für 500 Millionen Menschen liefern, und die in die Struktur eingebetteten Wohntürme boten Platz für 100 Millionen Menschen. Der Erfolg des Projekts löste einen Boom megalomanischen Bauwahns aus. Bis 2049 waren fünf weitere Arkologie-Baustellen entstanden, angetrieben von gleich mehreren Fusionsreaktoren. Alle sechs Megastädte wuchsen fortwährend weiter. Ende 2049 lebten fast 95 % aller Chinesen in einer Arkologie. Die Bevölkerung wuchs durch die sehr gute Versorgungslage der nahezu autonomen Anlagen nun massiv, und China strebte erneut den Platz der technologisch fortschrittlichsten Nation der Welt an.
Gründung der Republik des himmlischen Friedens (17.2.2051)
Am 15.2.2051 geschah das Unglaubliche: Die Militärregierung trat zurück und verkündete die Gründung einer demokratischen Republik (siehe Gründung der Republik des himmlischen Friedens). Die neue Verfassung erklärte die Arkologien zu halbautarken Bundesstaaten. Weiter verpflichteten sich die Arkologien, die Natur Chinas weitestgehend wiederherzustellen. Ursprünglich war vorgesehen, bestimmte Regionen vollständig auszubeuten, um die Arkologien zu versorgen, aber das Maß an Recycling in den Anlagen war so hoch, dass Rohstoffe fast nur noch für das weitere Wachstum gebraucht wurden. Der Bau der Arkologien hatte aber auch gewaltige Umweltschäden hinterlassen: Ganze Berge waren ausgehöhlt worden und dienten nun als Fundament, andere waren vollständig für Baumaterial abgetragen worden. Nun wurde ein Idealbild der chinesischen Natur von den Bergen bis zur Küste ausgerufen, das auch zum Ziel hatte, die weiten Brackwasserflächen zurückzugewinnen, die die Flut zurückgelassen hatte.
Aussöhnung mit den Nachbarn
Die neue Regierung grenzte sich gegen die Überreste von Samsung und der japanischen Konzerne ab und verurteilte diese als menschenfeindlich. Es entstand eine neue Charta der Menschenrechte, basierend auf chinesischen Traditionen gepaart mit Schriften der Neuzeit. Aus dem Entwurfsprozess ging eine neue halbreligiöse Strömung hervor, der kantsche Neotaoismus. Die Regierungsparteien einigten sich übergreifend auf eine Doktrin des verbreiteten Wohlstands der Massen: Ein wohlhabender, demokratischer Nachbar ist ein friedlicher Nachbar. China bot Pakistan und Indien den Bau je einer Arkologie an und wollte 50 % der Kosten übernehmen, wenn beide Staaten einen Friedensvertrag unterzeichnen, der den Kaschmirkonflikt auflöst und beide Staaten langfristig aussöhnt.
Des Weiteren startete China mehrere Initiativen, die Staaten Indochinas, die unter den Folgen des Tsunamis komplett zusammengebrochen waren, wiederherzustellen oder neu zu gründen. Teilweise wurden dabei japanische und koreanische Konzernsöldner militärisch vertrieben – möglich nur, weil beide Nationen noch mehr unter dem Tsunami gelitten hatten als China.
Regierung und Kontrolle
Mit der jüngsten Arkologiegründung besteht das Land nun aus sieben Bundesstaaten sowie dem bundesstaatlichen Protektorat, das fast 90 % der Staatsfläche ausmacht. Letzteres untersteht der gewählten Staatsregierung, die für die Rückgewinnung und Renaturierung des Protektoratslandes sowie für die Planung und Gründung weiterer Arkologien zuständig ist. Außerdem unterliegen Verteidigungs- und Außenpolitik der Staatsregierung. Innen-, Kultur-, Infrastruktur- und Bildungspolitik liegen bei den Arkologieregierungen.
Wahlsystem. Jede Arkologie besteht aus mehreren Wohneinheiten, gewaltigen Stadtkomplexen, die im Gesamtbau einzelne Segmente einnehmen. Jede Wohneinheit wählt ihre eigene Verwaltung, die die Einheit wiederum in Distrikte unterteilt, von denen jeder seinen eigenen Bürgermeister wählt. Die Bevölkerung wählt auch das Parlament der Arkologie, das einen Ministerpräsidenten ernennt. Unabhängig von Größe und Struktur ist jede Arkologie in gleich viele Wahlbezirke unterteilt, die die Staatsregierung wählen.
Gesellschaft und Alltag
Die Bevölkerung verlässt die Arkologien nur äußerst selten. Es herrscht zwar komplette Reisefreiheit, aber da die Arkologien sämtliche Annehmlichkeiten bieten und die Lebensqualität sehr hoch ist, sehen die meisten keinen Sinn darin, sie zu verlassen. Das führt auch dazu, dass Unbekannte schnell auffallen. Die Gesellschaft ist nicht generell fremdenfeindlich, und die Arkologien sind offen zugänglich, aber Unterwanderungsversuche werden schnell erkannt und mit Härte bekämpft.
Socialscore. Nach der friedlichen demokratischen Revolution wurde der Socialscore (der erste, aber längst nicht mehr der einzige seiner Art) grundlegend umgebaut, aber nicht außer Kraft gesetzt. Stattdessen wurden viele Strafen abgebaut und Anreize zu positivem Verhalten verstärkt, der zugrunde liegende moralische Kanon wurde liberalisiert. Wie in vielen SC-Systemen dient die Punktzahl zugleich als Währung (siehe Social Credits).
Kriminelle Organisationen. Die modernen Triaden existieren nach wie vor, stehen aber unter Beobachtung und beschränken sich auf die Einfuhr verbotener Waren. Sollten sie sich als zu gefährlich herausstellen, schwenkt die Duldung sehr schnell in gezielte Vernichtung um.
Ereignisse
- Drei-Tage-Krieg (Ereignis)
- Erster Fusionsreaktor (Ereignis)
- Gründung der Republik des himmlischen Friedens (Ereignis)
- Social Credits (Begriff)